#1 Bericht aus Netdoktor.de von ThomasR 14.02.2010 13:23

Huntington: Neues Medikament weckt Hoffnungen

München (netdoktor.de) - Der fortschreitende Untergang der Gehirnzellen bei Chorea Huntington führt unter anderem zu einem Verlust der intellektuellen Fähigkeiten. Das Gedächtnis und die Fähigkeiten zum Denken und Lernen gehen sukzessive verloren. Umkehren oder aufhalten lässt sich diese Entwicklung bislang nicht. Erste erfolgreiche Versuche mit einem neuen Medikament wecken nun Hoffnungen: Dimebon (Wirkstoff: Latrepirdin) scheint die kognitiven Fähigkeiten von Huntington-Patienten zu verbessern, schreiben US-Forscher des University of Rochester Medical Center im Fachmagazin "Archives of Neurology" (2010;67(2):154-160).

Die Huntington-Krankheit beeinträchtigt immer stärker die Bewegungen, das Verhalten und die psychische Verfassung der Betroffenen. Der geistige Abbau der Patienten ist manchmal so stark wie bei einer Demenz. Experten vermuten, dass die Mitochondrien - die Kraftwerke der Zellen - an der Entstehung von Huntington beteiligt sind. Wie Untersuchungen zeigen, kann der Wirkstoff Latrepirdin die Funktion der Mitochondrien stabilisieren und steigern. Auf diese Weise konnten bei Alzheimer-Patienten, an denen das Medikament Dimebon derzeit getestet wird, das Verhalten und die kognitiven Fähigkeiten verbessert werden. Die US-Forscher um den Neurologen Karl Kieburtz wollten nun untersuchten, ob Latrepirdin auch Menschen mit Huntington helfen kann.

Für ihre dreimonatige Studie wählten die Wissenschaftler 91 Huntington-Patienten mit mildem bis mäßigem Krankheitsstadium aus. Die Hälfte davon erhielt dreimal täglich den Wirkstoff verabreicht, der Rest ein wirkstofffreies Placebo (Scheinmedikament). Mithilfe eines kognitiven Tests (Mini-Mental State Examination) beurteilten die Forscher im Verlauf der Studie die geistigen Fähigkeiten der Teilnehmer. Der Test dient üblicherweise dazu, den Schweregrad einer Demenz oder Alzheimer-Krankheit festzustellen. Dazu werden den Patienten verschiedene Fragen und Aufgaben gestellt, die etwa das Orientierungsvermögen und Gedächtnis betreffen.

Unter der regelmäßigen Einnahme von Latrepirdin verbesserten sich, wie erhofft, die Testergebnisse der Huntington-Patienten, während sich bei der Placebo-Gruppe keine Veränderungen zeigten. Darüber hinaus wurde der Wirkstoff von den meisten Patienten gut vertragen. "Es sind zwar noch weitere Tests erforderlich, aber diese Ergebnisse sind schon viel versprechend", kommentiert Studienleiter Kieburtz.

Huntington ist eine seltene Erbkrankheit des Zentralen Nervensystems. Nach Schätzungen sind etwa zwei bis acht von 100.000 Menschen betroffen. Die ersten Symptome treten meist zwischen zwanzig und vierzig Jahren auf. Im Allgemeinen führt Huntington innerhalb von zwanzig Jahren zum Tode. (mf)

#2 RE: Bericht aus Netdoktor.de von Jess 14.02.2010 14:29

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Hallo Thomas,
herzlichen Dank für Deine Information. Ergänzend kann ich sagen, daß z.Zt. für Dimebon die abschließende Studie läuft. Dauer ab Januar 2010 ein halbes Jahr an 350 HK Erkrankten in 50 Studienzentren in Europa, USA und Kanada. Meine Frau war dafür vorgesehen konnte dann aber nicht teilnehmen, weil es ihre momentane gesundheitliche Verfassung nicht zuläßt. Es sind etliche Untersuchungs- und Testtermine vorgesehen und es muß eine Betreuungsperson vorhanden sein. Wir haben große Hoffnung in den Erfolg der Studie.
Eine weitere erfreuliche Mitteilung. Für ACR 16 (Wirkstoff gegen die Chorea) ist die 3 Studie mit Erfolg abgeschlossen worden. Siehe Homepage des Europäischen Huntingtonnetzwerkes. Dort sind alle weiteren Informationen einsehbar. Wir hoffen auf eine Zulassung des Medikamentes in diesem Jahr. Die Fa. Neurosearch will sich laut Pressemitteilung vom 3. Februar 2010 darum bemühen.
Liebe Grüße
Jess

#3 RE: Bericht aus Netdoktor.de von Sarina 15.02.2010 00:38

[durchgestrichen][/durchgestrichen]wow das sind ja mal gute nachrichten

#4 RE: Bericht aus Netdoktor.de von maiauge 22.03.2010 13:49

Zu dem Thema hab ich noch diesen Artikel gefunden:

Dimebon: Alzheimerträume geplatzt?
4. März 2010

Dimebon sei bei Alzheimer-Patienten nicht wirksam, melden Pfizer und sein Partner Medivation.

Das Präparat, in dass die Pharmafirma sehr große Hoffnungen gesetzt hatte, erwies sich in einer Phase-III-Studie (Connection) mit knapp 600 Patienten als nicht besser wie ein Placebo-Präparat.,Man sollte das Ergebnis einer einzigen Studie aber nicht überbewerten, meinte Dr. Pierre Tariot vom „Banner Alzheimer’s Institute“. Tariot: „Meiner Ansicht nach müsste das Präparat weiter untersucht werden.”

Dimebon weckte große Hoffnungen unter Wissenschaftlern wie Patienten und Angehörigen, als 2008 eine Studie in Russland die Vermutung aufkommen ließ, das Pfizer-Präparat sei wirksamer als verfügbare Alzheimer-Präparate. Außerdem habe Dimebon ein „exzellentes Sicherheitsprofil“, so Dr. Richard Lipton (Montefiore Headache Center).

Es habe zwar durchaus Zweifel an der russischen Studie gegeben, aber die jetzt präsentierten Resultate seien doch gegen alle Erwartungen sehr enttäuschend, meinte Dr. Steven Ferris, (Aging & Dementia Research Center, Universität von New York).

Anderer Ansicht ist da der Alzheimer-Forscher Dr. Rudolph Tanzi („Aging Research Unit, Massachusetts General Hospital“). Ihn hätten die negativen Ergebnisse überhaupt nicht überrascht. Genauso sieht dies Dr. Sid Gilman, Chefneurologe der Universität von Michigan. Gilman: „Die Ergebnisse der russischen Studie waren doch recht zweifelhaft.“ Außerdem gebe es keine Erklärung für die angebliche Wirksamkeit von Dimebon bei Alzheimer-Demenz.

Die aktuellen negativen Ergebnisse zu Dimebon bedeuten aber nicht das Ende des Präparates. Pfizer und Medivation prüfen die Substanz noch in drei Studien bei Alzheimer-Kranken und in einer weiteren Studie bei Patienten mit Chorea Huntington. Laut David Hung, Chef von Medivation, plant das Unternehmen auch, Dimebon–Analoga zur Behandlung von Herzinsuffizienz- , Schlaganfall- und Parkinson-Kranken zu entwickeln.

Erst vor wenigen Wochen wurde gemeldet, dass Dimebon möglicherweise gegen Chorea Huntington hilft. Nach Angaben der US-Studienleiter verbesserte Dimebon – Wirkstoff ist Latrepirdin – Lern- und Gedächtnisleistungen und wurde von den Huntington-Patienten gut vertragen. Dr. Karl Kieburtz (Universität von Rochester in New York) und seine Kollegen hatten Dimebon in einer kleinen, vom Hersteller finanzierten Studie bei 91 Patienten mit leicht bis mäßig ausgeprägter Chorea getestet. Dimebon habe im Vergleich zum Scheinpräparat kognitive Parameter verbessert, berichteten die Wissenschaftler in den „Archives of Neurology“. Latrepirdin wurde gut vertragen. Fast 90 Prozent der Patienten beendeten die Studie. Die US-Forscher vermuten, dass der Wirkstoff auf die Mitochondrien wirkt und deren Membranen stabilisiert. Eine größere Studie mit 350 Patienten soll zeigen, ob Dimebon wirklich eine Therapieoption für Huntington-Patienten sein könnte.

Die Substanz ist übrigens nicht neu. In Russland war sie einmal als Antihistaminikum gegen verstopfte Nase auf dem Markt. Der generische Name war damals Dimebolin, der aber vor einem Jahr durch Latrepirdin ersetzt wurde.

Gelesen in Medizin + Meinung: http://tkron.wordpress.com/2010/03/04/di...raume-geplatzt/

#5 RE: Bericht aus Netdoktor.de von Mellina 26.04.2010 21:45

Meine Mutti nahm an der ACR16 Studie teil, und weil die Einführung auf sich warten lässt (wenn das zu Ende diesen Jahres wirklich klappen sollte, wäre super), wollte sie auch an der Dimebon-Studie teilzunehmen. Allerdings dauern die Tests, die sie ca. alle 4 Wochen in Bochum machen soll, wegen mehrfacher Blutabnahmen am Tag manchmal mehrere Stunden an.
Aber gut, wie das Kölsche Sprichwort sagt: "Was muss das muss"
Es gab auch schon positives in der bisherigen kurzen Zeit zu berichten: Beim letzten Intelligenztest hat sie um ein paar Punkte besser abgeschnitten. Die Hoffnung ist bei uns jedenfalls vorhanden dass das Medikament wirkt.

#6 RE: Bericht aus Netdoktor.de von Nadine 27.04.2010 18:55

Es ist schon einfach nur beruhigend, dass sie an irgendwas dran sind und man immer mal wieder einen anderen Ansatzpunkt sieht! ... Und es überhaupt die Möglichkeit gibt sowas in der Form symptombezogen zu behandeln bzw. kausal!! ...

LG

#7 RE: Bericht aus Netdoktor.de von Jess 27.04.2010 21:33

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Über die positiven ACR 16 Ergebnisse kann man vieles nachlesen unter:

http://www.hdlighthouse.org
und http://www.euro-hd.net

Finde ich sehr ermutigend. Wir hoffen auf eine Medikamentenzulassung im Herbst 2010, da
meine erkrankte Frau doch sehr unter HK leidet und hier insbesondere an einer ausgeprägten
Chorea.
Liebe Grüsse
Jess

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